Gewichtheben: Chemnitzer AC verteidigt in souveräner Manier Titel des deutschen Mannschaftsmeisters - Premiere für Matthias Steiner
Neuhardenberg. Als Matthias Steiner seinen ersten Stoßversuch bei 220 Kilogramm sicher zur Hochstrecke gebracht hatte, gab es im Lager des Chemnitzer AC hinter der Bühne die ersten Umarmungen. Natürlich erst einmal dezent, denn das Finale um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft der Gewichtheber war noch im vollen Gange. Aus Sicht des Titelverteidigers konnte zu jenem Zeitpunkt nichts mehr schief gehen, der zweite Triumph in Folge war perfekt. Ehe es vor den 1200 begeistert mitgehenden Zuschauern im umgestalteten Flugzeughangar von Neuhardenberg zur offiziellen Siegerehrung ging, streiften sich alle schnell die Sieger-T-Shirts über, verspritzten den ersten Sekt. Gemeinsam mit den Fans, die extra angereist waren und auch spezielle Geschenke verteilten, folgte später eine ausgiebige Feier.
Mit dem Saisonrekord von 910 Punkten gewannen die Sachsen klar vor dem SV Germania Obrigheim (838) und dem Gastgeber vom AC Airport (751,5). "Insgesamt schaffte die Mannschaft eine tolle Leistung, wobei die Anspannung schon groß war", zeigte sich Trainer Stefan Grützner sichtlich erleichtert. Da der stärkste Kontrahent Obrigheim den Olympiazweiten Vencelas Dabaya (Frankreich) kurzfristig nicht am Start hatte und so ein wenig die Spannung fehlte, brauchte sich der Coach keine Sorgen um seine Schützlinge zu machen. Der Sieg geriet eigentlich nie in Gefahr.
Diesen Erfolg nicht missen
Matthias Steiner (Reißen: 187 kg; Stoßen: 225 kg; 172 Relativpunkte) sprang ausgelassen mit auf der Bühne herum, ehe er dann nach dem ersten Trubel wieder geduldig alle Foto- und Autogrammwünsche erfüllte. "Ich bin happy, das ist ein sehr schöner Erfolg mit dieser Truppe, den ich nicht missen möchte", wertete der Olympiasieger, der sich auch ganz spontan bei seinen Gefährten bedankte: "Die anderen, die teilweise arbeiten gehen, kämpfen die ganze Saison dafür. Ich kann nicht immer dabei sein und komme dann als Joker, um mit zu gewinnen, ein schönes Gefühl."
Persönlich freute er sich zudem, dass ihm in seiner Problem-Disziplin Reißen wieder einmal drei gültige Versuche gelungen waren. Im Stoßen ließ er noch 235 kg auflegen, scheiterte aber knapp. "So große Lasten wollte ich gar nicht angehen, aber den Zuschauern zuliebe, habe ich es probiert. Die Luft war leider ein bisschen raus", meinte der 27-Jährige drei Wochen nach der EM. Zudem hatte er zwei Tage vor dem Finale einige Schreckmomente zu überstehen, als er eine Blockierung im Rücken spürte. Glücklicherweise renkte sich alles ein und er konnte nunmehr diese Titelpremiere feiern.
Titel schwer vergleichbar
Tom Schwarzbach (148; 195; 170) avancierte gemeinsam mit Almir Velagic (Obrigheim) mit 170 Zählern zum zweitbesten Akteur hinter Matthias Steiner. "Der Doppelpack ist schon gut", meinte der 23-Jährige, der beide Titel aber nicht vergleichen wollte. Mit seiner eigenen Leistung war der Sportsoldat nur bedingt zufrieden. Fortschritte im nicht so geliebten Reißen geben ihm jedoch Zuversicht für die weitere WM-Vorbereitung.
Vom Publikum animiert
Kathleen Schöppe (100; 130; 134) stellte ihre Zuverlässigkeit auch in diesem Finale wieder unter Beweis. Wie schon Mitte April bei der EM in Minsk glänzte die Auswahlakteurin erneut mit sechs gültigen Versuchen. "Ich bin sehr zufrieden. Vor einem solch tollem Publikum ist eben alles möglich", strahlte die 27-Jährige, die dieses Mal sogar von einem eigenen Fanclub lautstark unterstützt wurde.
Nervosität sehr hoch
Hendrik Wetzel (150; 174; 150,6) jubelte nach sechs gültigen Auftritten ganz besonders. "Ich war schon sehr nervös", gab der 27-Jährige zu. Denn beim letzten Vorrundenvergleich war ihm im Stoßen unerklärlicherweise kein einziger Versuch gelungen. Das zerrte an den Nerven. "Deshalb sind wir ganz auf Nummer sicher gegangen. Und es hat glücklicherweise wieder geklappt", freute sich der Großhandelskaufmann, der eigentlich zu den sichersten Akteuren in der Truppe gehört.
Erstmals aktiv beim Gold dabei
Markus Krümmer (145; 190; 141) erkämpfte erstmals aktiv das Gold mit. "Das war schon bitter, als ich 2009 beim Endkampf zuschauen musste", erinnert sich der 24-Jährige, der bis dahin bei allen fünf Endkämpfen mit Silber oder Bronze dabei war. Da 2009 kurzfristig der Pole Adrian Zielinski geholt wurde, blieb ihm die Rolle des Ersatzmannes. Gern hätte er dieses Mal jedoch ein paar Punkte mehr beigesteuert.
Zwei Schreckmomente
Martin Herberg (140; 172; 142,4) musste gleich zwei schwierige Momente bewältigen. Zunächst ging bei ihm der erste Reißversuch daneben. "Da war ich erschrocken, die Nerven flatterten ganz schön", schilderte der 25-Jährige. Danach gelangen ihm sichere Auftritte, ehe er beim dritten Stoßversuch mit dem Fuß weg knickte. Mit Gold um den Hals war der Schmerz jedoch bald vergessen.
Von Martina Martin
Erschienen am 03.05.2010
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